aufeinwort Interview IT-Fachmagazin
Im Interview mit Tobias Teske von der Vogel IT-Medien GmbH sprechen wir über die Anforderungen von IT-Medien an Inhalte, typische Fehler von Unternehmen in der Zusammenarbeit mit Medienhäusern, die richtige technische Tiefe und vieles mehr.
Tobias Teske: Budgetkürzungen bedeuten: Jeder Euro muss wirken. Und genau hier spielen Fachmedien ihre Stärke aus. Sie erreichen nicht irgendwen, sondern genau die Entscheider, die Unternehmen brauchen – mit Inhalten, die diese Zielgruppe ernst nimmt. Der entscheidende Unterschied zu Social Media oder Owned Content: Fachmedien sind neutrale, glaubwürdige Instanzen. Ihre Inhalte werden nicht als Werbung wahrgenommen, sondern als relevante Information. In Zeiten, in denen jeder Content produziert, sind kuratierte, geprüfte Inhalte ein Qualitätsmerkmal. Fachmedien schaffen Orientierung – und das macht sie unverzichtbar.
Tobias Teske: Content-Kooperationen funktionieren dann, wenn sie nicht wie Werbung aussehen, riechen oder sich anfühlen. Native Articles, die echte Insights liefern. Ehrliche Case Studies – auch über Herausforderungen. Webinare mit Tiefgang statt Produktpitches. Und ganz wichtig: Die Zusammenarbeit sollte auf Augenhöhe passieren. Wir als Fachmedium bringen die journalistische Qualität, das Unternehmen bringt die Expertise – zusammen entsteht Content, der wirkt.
Tobias Teske: Es kommt drauf an, wen ich erreichen will. Für Techies funktionieren Deep Dives – ausführliche Fachartikel, technische Tutorials, Benchmark-Tests. Für Entscheider auf C-Level brauche ich kompakte Formate: Executive Summaries, Case Studies mit Business-Impact, kurze Videos. Und für die breite IT-Community sind Webinare, Podcasts und praxisnahe How-tos Gold wert. Der Trick ist: Nicht ein Format für alle, sondern das richtige Format für die richtige Zielgruppe.
Tobias Teske: Die Balance ist dann richtig, wenn sich der Leser nicht über- oder unterfordert fühlt. Ich sehe oft zwei Extreme: entweder Marketing-Fluff ohne echten Inhalt oder Tech-Sprech, den selbst Entwickler dreimal lesen müssen. Beides verfehlt das Ziel. Guter Content erklärt das „Warum“ und „Wozu“ verständlich und bietet dann die Möglichkeit, tiefer einzusteigen. Redaktionelle Begleitung hilft enorm: Journalisten können Fachinhalte so übersetzen, dass sie lesbar bleiben, ohne zu verwässern.
Tobias Teske: Erstens: Unternehmen verwechseln Content-Kooperation mit Anzeigenschaltung. Sie wollen ihre Werbebotschaft platzieren, statt echten Mehrwert zu liefern. Zweitens: Sie unterschätzen den Aufwand. Guter Content braucht Zeit, Abstimmung, Expertise – das geht nicht mal eben nebenbei. Und drittens: Sie denken zu kurzfristig. Content-Marketing ist kein Performance-Kanal, bei dem nach zwei Wochen die Leads sprudeln. Es geht um Sichtbarkeit, Vertrauen, Thought Leadership – das braucht Geduld.
Tobias Teske: Extrem wichtig. Anwenderberichte sind das Salz in der Suppe der IT-Kommunikation. Sie zeigen: Das funktioniert nicht nur auf dem Papier, sondern in der Praxis. Und genau das will unsere Zielgruppe wissen. Theorie gibt es genug – was zählt, ist der Beweis, dass eine Lösung in einem echten Unternehmenskontext Mehrwert liefert. Wichtig ist dabei: Der Anwenderbericht muss ehrlich sein. Mit Herausforderungen, mit Learnings – nicht nur „alles war toll“.
Tobias Teske: Einer erfolgreichen Kooperation merkt man nicht an, dass es sich um eine Kooperation handelt. Der Content wirkt nicht wie eine bezahlte Anzeige, sondern wie ein echter redaktioneller Beitrag. Das gelingt, wenn Unternehmen erkennen: Fachmedien sind kein Werbekanal, sondern ein journalistischer Partner. Und wir müssen wiederum verstehen, dass Unternehmen berechtigte Interessen haben. Die Balance zwischen beidem ist der Schlüssel – und die erreicht man nur durch offene Kommunikation und gegenseitigen Respekt.
Tobias Teske: Echten Mehrwert erkennt man daran, dass der Leser am Ende etwas mitnimmt – ein Learning, eine Handlungsempfehlung, eine neue Perspektive. Das schafft man, indem man sich in die Zielgruppe hineinversetzt: Was beschäftigt sie gerade? Welches Problem können wir lösen? Und dann: Ehrlich sein. Nicht jedes Unternehmen muss die Lösung für alles haben. Wer Grenzen einräumt und trotzdem hilft, gewinnt Vertrauen. Genau das unterscheidet guten Content von Werbung.
Tobias Teske: Ich halte nichts davon, in Silos zu denken. Ein guter Content-Ansatz nutzt alle drei Kanäle: Ein Unternehmen veröffentlicht eine Studie (Owned), wir berichten darüber in unserem Fachmedium (Earned) und das Unternehmen bewirbt den Artikel über LinkedIn Ads (Paid). Jeder Kanal erfüllt eine Funktion: Owned liefert die Substanz, Earned die Glaubwürdigkeit, Paid die Reichweite. Wer das clever kombiniert, multipliziert die Wirkung.
Tobias Teske: Seien wir ehrlich: Content-Marketing lässt sich nicht so präzise messen wie Performance-Marketing. Trotzdem gibt es sinnvolle KPIs: Traffic und Sichtbarkeit – wie viele Menschen haben den Content gesehen? Engagement – haben sie ihn gelesen, geteilt, kommentiert? Lead-Qualität – nicht nur Quantität, sondern: Sind das die richtigen Kontakte? Und langfristig: Reputation und Thought Leadership – werden wir von anderen Medien zitiert, zu Panels eingeladen, als Experten wahrgenommen? Das sind weiche Faktoren, aber sie zeigen, ob Content wirkt.
Tobias Teske: Ein Trend, den niemand ignorieren kann: KI verändert alles. Content wird schneller, billiger, massenhafter produziert – und damit sinkt die durchschnittliche Qualität. Das ist unsere Chance: Fachmedien, die auf journalistische Qualität und geprüfte Inhalte setzen, werden wichtiger, nicht unwichtiger. Gleichzeitig sehen wir: Personalisierung wird Standard. Unternehmen erwarten, dass Content auf ihre spezifischen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Und: Nachhaltigkeit und Haltung – B2B-Buyer wollen wissen, wofür ein Unternehmen steht.
Tobias Teske: Gegenfrage: Was ist die Alternative? Unsichtbar bleiben? In gesättigten Märkten reicht es nicht, ein gutes Produkt zu haben – man muss auch sichtbar sein. Content-Marketing und Medienpartnerschaften sind keine Luxus-Investition, sondern strategische Notwendigkeit. Ja, es braucht Zeit. Ja, es braucht Budget. Aber: Es ist eine der nachhaltigsten Formen von Marketing. Ein guter Artikel, ein starkes Whitepaper, ein überzeugendes Webinar wirkt Monate. Im Vergleich zu Performance-Ads, die nach einer Woche vergessen sind, ist das ein unschlagbares Investment. Mein Rat: Macht es, aber macht es richtig – mit Qualität, Strategie und Geduld.
Vielen Dank für das Interview und die spannenden Einblicke!
Vogel IT-Medien GmbH (VIT) ist ein Fachmedienhaus für IT-Entscheider und den gesamten IT-Markt. Gegründet 1991, hat das Unternehmen seinen Sitz in Augsburg. Das Unternehmen bietet ein umfassendes Portfolio aus Print- und Online-Medien sowie Business-Events für Fach- und Führungskräfte, die sich mit der Produktion, Beschaffung und dem Einsatz von IT- und Digitalisierungstechnologien befassen. Mit führenden Publikationen wie IT-BUSINESS, eGovernment, Healthcare Digital sowie den Insider Portalen u.a. für Big Data, Cloud Computing, Datacenter, Netzwerke, Security und Storage bietet die Vogel IT-Medien GmbH eine breite Informations- und Netzwerkplattform für die IT-Branche. VIT ist eine 100%-Tochter der Vogel Communications Group (VCG).
Aktueller Beitrag
Monatliche Tipps, Best Practices & Impulse!