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headlines„Krankenwagen werden mit Pflug ausgestattet, um Rettungsgasse freiräumen zu können“ – Wie bitte? Jetzt ernsthaft? Ist nur Spaß, oder? Das ist doch Satire. Trotzdem bestehen noch leichte Zweifel. Also lese ich den Artikel jetzt mal im Ganzen. Klick! An dieser Stelle hat die Überschrift ihre Aufgabe erfüllt. Überschriften sind für uns Leser essenziell. Den Autor bringen Sie jedoch im Vorfeld oft zu langem Grübeln und Schwitzen.

Ja, es war Satire. Das für provokante Überschriften bekannte Satire-Onlinemagazin der-postillon.com titelte wie oben beschrieben. Satire muss provokant sein, denn da die eigentlichen Artikel meist fern der Realität sind bzw. die Realität „auf die Schippe“ nehmen, geht es hier weniger um den Informationsgehalt. Also spielt die Überschrift eine entscheidende Rolle, den Leser zu locken und ihn wie in diesem Fall über ein ernstes Thema nachdenken, aber auch schmunzeln zu lassen. Seriösen Nachrichtenmedien, Fachmagazinen, Tageszeitungen etc. geht es natürlich mehr um die konkrete Informationsvermittlung. Doch auch hier gilt: Die Überschrift macht den Unterschied. Auf uns prasseln täglich dermaßen viele Informationen ein, dass wir selektieren müssen. Diese Selektion findet zunächst durch diese eine fettgedruckte Zeile statt.

Wir entwickeln Interesse für ein Thema, sobald wir etwas wirklich Neues erfahren, oder wir uns zu einer uns bekannten Thematik direkt angesprochen fühlen. Um den Leser anzusprechen, arbeiten viele Autoren in ihren Überschriften mit Zahlen oder Fragezeichen. Letztere verleiten uns dazu, die Frage in Gedanken zu beantworten und unsere Antwort durch Lesen des gesamten Artikels zu überprüfen. Zahlen wiederum geben Ordnung, eine Reihenfolge und fördern das schnelle Verständnis. Der Leser möchte heutzutage schnell informiert werden. Ein Artikel mit der Überschrift „10 Tipps, die Ihr Liebesleben aufpeppen“ wird sicher häufig geklickt, da der Titel verspricht, kurz und übersichtlich zehn essenzielle Ratschläge zu vermitteln, die sich schnell umsetzen lassen. Ähnlich ging „Die Welt“ vor, als sie titelte: „10 Jahre Kanzlerin Merkel in 10 Infografiken“.

„Sturmtief Jürgen bringt den Winter“
Die meisten Überschriften funktionieren aber auch ohne Zahlen und Fragen; insbesondere wenn sie neugierig machen. „Die verunsicherten Staaten von Amerika“ titelte Spiegel Online kürzlich. In dieser Überschrift steckt einerseits ein Wortspiel, da die ursprüngliche Bezeichnung „Vereinigte Staaten“ abgewandelt wurde. Gleichzeitig deutet sie die zentrale Aussage des Artikels an: Die USA sind verunsichert. Einzig die Erklärung gibt die Überschrift nicht. Will sie auch nicht. Wer neugierig geworden ist, der liest weiter.

„Tödlicher Unfall wegen WhatsApp“ – Der Leser weiß sofort: Dahinter steckt keine Information von Weltinteresse. Aber die Sensationssucht verleitet ihn gegebenenfalls zum Klicken bzw. zum Weiterlesen, falls es sich um ein klassisches Printmedium handelt.

„Sturmtief Jürgen bringt den Winter!“ Das Wetter interessiert so ziemlich jeden. Also: klick!

„Was Drogba Robben vor dem Elfmeter-Drama flüsterte“ – Fußball-Desinteressierte sind schnell raus aus der Nummer. Fußballfans dagegen bekommen das Versprechen, eine Art „Geheimnis“ zu erfahren. Und wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, dann sind Geheimnisse doch immer interessant.

Head-lines = Kopf-zerbrechen?
Es gibt Autoren, die schreiben ihre Artikel innerhalb kurzer Zeit. Sachlich, fundiert, schlüssig, kurz: lesenswert. Doch dann kommt das Problem: Ohne eine knackige Überschrift bleibt der Artikel lesenswert – es merkt nur niemand. Der beste Schreiber kann beim Überschriftenfinden die größten Probleme haben. Es bleibt eine Königsdisziplin. Verlage, die es sich leisten können, haben eigene Leute nur zum Formulieren von Überschriften. Und letztlich gehört auch ein wenig Talent und nicht zuletzt kreatives Gespür sowie Einfühlvermögen dazu. Wir möchten diesen Beitrag an dieser Stelle nicht einfach beenden, ohne einige Tipps in Kürze mit auf den Weg zu geben:

1. Werden Sie sich Ihrer Zielgruppe bewusst! Erwarten Sie nicht zu viel. Einen Politikverdrossenen werden Sie nicht mit „Merkel – eine Bilanz“ locken – und das müssen Sie auch nicht.
2. Vermitteln Sie mit Ihrer Überschrift, dass Sie eine neue, für den Leser (die Zielgruppe) hilfreiche Information vermitteln möchten.
3. Verraten Sie aber nicht zu viel. Machen Sie neugierig.
4. Formulieren Sie hin und wieder eine Überschrift als Frage. Denn Fragen wollen beantwortet werden.
5. Sie haben Zahlen, die Ihr Thema/Ihre Argumentation unterstützen? Nutzen Sie sie.
6. Ihr Artikel handelt von einer bekannten Person des öffentlichen Interesses? Verbergen Sie dies nicht.
7. Die Folgen sind oft interessanter als das Passierte! Insbesondere in der heutigen Zeit der schnellen Informationsvermittlung weiß der Leser zeitnah Bescheid, was passiert ist. Gehen Sie einen Schritt weiter und vermitteln Sie die
Auswirkungen.
8. Testen Sie ihre kreativen Ergebnisse und fragen Sie Kollegen oder auch Außenstehende.

Natürlich gilt es nicht, all diese Punkte in einer Überschrift zu beherzigen. Das funktioniert i.d.R. nicht, abgesehen davon, dass auch bei Überschriften gilt: In der Kürze liegt die Würze. Das Wichtigste bleibt die Zielgruppe. Bei einigen Texten hat die Überschrift wenig bis nichts mit dem Inhalt zu tun. Das deutet darauf hin, dass die Intention ist, viele Klicks durch gnadenlose Übertreibung oder Irreführung zu generieren. Ok, ein bisschen haben wir dieses Mal auch geschummelt – aber mit guten Absichten.