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KroneVor Kurzem haben wir uns in einem Nachruf von King Content verabschiedet und König Inhalt zum Herrscher ernannt. Doch wird auch der neue Regent nicht lange auf seinem Thron sitzen, wenn er seine Untertanen mit innovativen Ideen, führenden Maßnahmen oder umfassenden Aktivitäten langweilt. Ich sehe schon die Transparente der Demonstranten vor mir: „Nieder mit den Füllwörtern!“, „Lasst die Verben frei!“, „Adjektive raus!“, „Killt die f***ing Anglizismen!“ Also wir wären bei der Demo dabei.

Bitte lesen Sie auch nach folgendem Satz weiter: „Musterblog, führender Hersteller von innovativen Next Generation Security Solutions, hat bekannt gegeben, dass seine weltweit im Einsatz befindlichen Lösungen ab sofort auch den chinesischen Markt erreichen.“

Sind Sie noch da? Danke! Ich wäre nämlich spätestens nach dem Wort „Solutions“ wieder gegangen. Wohin? Natürlich zum nächsten Text. Da wären wir vielleicht schon wieder auf einen führenden Vendor gestoßen. Und der nächste innovative Hersteller wartet schon. Leider sind derartige Texte Alltag für Redakteure. Diejenigen, denen sich beim Lesen solcher „Nachrichten“ der Magen umdreht, werfen die Pressemeldung schnell in den Papierkorb. Die Redakteure, die sich denken, Nachricht ist Nachricht, also ab damit auf die Webseite, vergessen den grundlegenden Sinn eines jeden Textes: Er möchte gelesen werden. Wie bereits im bis dato letzten Blog beschrieben, erreicht ein guter Schreiber dies zunächst mit einer packenden Überschrift, einer informativen Einleitung, die Lust auf mehr macht, originellen Überschriften und einem Fazit, nach dem der Leser erfahren möchte, wie der Autor auf diese Schlussfolgerung kommt. Die Folge: Er liest den ganzen Text. Schafft er dies durchgehend ohne Pause, hat der Schreiber eine weitere Disziplin bestanden. Er hat fließende Übergänge zwischen den Sätzen geschaffen.

Da macht die Pfanne den Hund verrückt
Letzteres ist vielleicht das wichtigste Kriterium. Beobachten Sie sich selbst. Wenn Sie einen Text von Anfang bis Ende gelesen haben, merken Sie das meist erst zum Schluss. Es ist keine Quälerei, Sie wurden geführt. Wie Ihr Fazit ausfällt – ob Sie der Inhalt berührt hat, ob der Autor Recht oder Unrecht hat etc. –, das sei mal dahingestellt. Solange Sie aber der Text in irgendeiner Weise berührte, hat es der Verfasser geschafft, dass Sie ihm seine Zeit geschenkt haben. Ganz unbewusst geben Sie ihm keine Zeit und letztlich auch kein Verständnis, wenn er

  • mehr Nebensätze als Hauptsätze verwendet – und damit unverständliche Schachtelungen erzeugt.
  • nichtssagende Adjektive verwendet – oft in Form von Dopplungen: wichtiger Meilenstein, hochwertige Produkte, harte Knochenarbeit, innovatives Produkt.
  • Imponiervokabeln und Modewörter verwendet: generieren statt machen, gewährleisten statt bieten, implementieren statt einführen.
  • Nominal- statt Verbalkonstruktionen verwendet: „Bei der Entwicklung des neuen 1er BMW wurde Wert darauf gelegt, dass …“ vs. „BMW hat seinen neuen 1er entwickelt, um …“.
  • starre Verben nutzt statt bewegende – passive statt aktive: „Seitens der Verantwortlichen wird die zentrale Intention darin begründet …“ vs. „Die Verantwortlichen begründen ihre Idee damit, dass …“.
  • englische Modewörter (Anglizismen) verwendet statt bewährte deutsche Ausdrücke: „Den Saturn finden Sie im Basement.“ – warum nicht im Erdgeschoss?
  • den Text mit Synonymen zerschießt: „Pünktlich um 11 Uhr begann die Wahl, doch zögerte sich der Urnengang unerwartet lange hinaus.“
  • Leben erweckt, wo keines ist: „Das intelligente Haus spricht jetzt IPv6.“
  • Leben vernachlässigt, wo viel mehr vorhanden ist: „Der Wald war voller Geräusche.“ vs. „Im Wald flüsterten die Bäume, es surrten die Bienen, Bäche plätscherten und eine leichte Brise säuselte mir um die Nase.“
  • abgedroschene Floskeln verwendet: das Licht am Ende des Tunnels sehen, das Handtuch werfen oder den Hund in der Pfanne verrückt machen.

Dann lieber kreativ sein und den Tunnel am Ende des Lichts sehen, oder machen Sie doch mal den Hund mit der Pfanne verrückt. Kurz gesagt: Man sollte nachdenken über das, was man da gerade zu Papier bringt – Entschuldigung, ich meine: aufschreibt. Der Leser wird es Ihnen danken!